Deinen Weg finden oder die Spur wechseln

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Letztens war ich „wintersporteln“. Ja… tatsächlich! Auf der Langlaufloipe. Ein toller Sport. Gemütlich. Oder anstrengend – so wie man es eben gerade will oder braucht. Beim klassischen Langlauf läuft man klassisch in der Spur. Ein vorgefertigter Weg. Man braucht nicht überlegen, welchen Bereich der Loipe man befährt, es wird einem vorgegeben. Und irgendwie hat mich das ans Leben erinnert. Es ist doch toll, wenn uns Wege und Spuren vorgegeben werden. Dann brauchen wir eigentlich keine Verantwortung dafür übernehmen, ob das auch der richtige Weg ist. Es gibt uns große Sicherheit. Alle laufen in der selben Spur. Wir brauchen uns kaum Gedanken machen, ob wir einen anderen Weg gehen könnten. Es muss einfach der richtige Weg sein, wenn er so klar vorgegeben ist und alle ihn benutzen. Wir bleiben in der Spur und müssen nur bei so mancher Kreuzung selbst eine Entscheidung treffen – ob rechts oder links. So weit, so gut. Ich fuhr fest in der Spur.

Doch dann kam eine Abfahrt. Und ich blieb in der Spur. Und es wurde immer schneller und schneller. Ich bekam Angst. Die Geschwindigkeit wurde immer höher. Und ich konnte auch nicht bremsen. Denn ich war festgefahren und gefangen in dieser Spur. Es wurde keine Rücksicht auf mein persönliches Tempo, meine Art zu fahren, meinen Angstpegel und meine Vorlieben für flache Teilstücke genommen. Es ging einfach nur bergab. So lange, bis ich stürzte und über die Loipe kugelte. Dann war es ruhig. Ich musste mich erst mal wieder sammeln. Vom Schnee befreien. Feststellen, ob meine Arme und Beine noch dran waren und meine Ausrüstung noch funktionstüchtig war. Kurz verfluchte ich die Spur. Und jenen, der diese steile Loipe gezogen hatte. Dann hinterfragte ich meine Vorgehensweise. Und kam zu dem Schluss, dass feste Spuren in steilen Loipen nichts für mich waren. Ich wollte zu jeder Zeit die Kontrolle haben. Und das ging nicht in dieser Spur. Es ging vielleicht in manchen Spuren, aber nicht in jeder. Daher befreite ich mich bewusst von fremden Spuren. Ich fing an zu skaten. Und ich stellte fest, dass dies ein neues Freiheitsgefühl in mir auslöste. Ich konnte meine eigene Spur finden und wählen. Ich konnte überall fahren. Egal, wie die Spur verlaufen würde, ich würde meine persönliche Spur fahren und mein Tempo einhalten können. Was für ein tolles Gefühl. Ab diesem Zeitpunkt stürzte ich nie wieder. Ich wählte manchmal die fertige Spur, wenn es für mich passte, aber meistens die freie Loipe. Ich wählte mein eigenes Tempo. Ich hatte nie wieder Angst.

Tausend Spuren kannst du fahren. Tausend Wege führen nach Rom. Du kannst einen gehen. Und es darf der perfekte für DICH sein.

Nun, was hat diese kleine Wintersportepisode mit unserem Leben zu tun? Sehr viel, denke ich. Denn unser Leben ist manchmal zu festgefahren in fremden Spuren. Und dann trauen wir uns oft nicht, auszubrechen und unsere eigene Spur zu ziehen. Wir bleiben so lange in dieser fremden Spur, in einem fremdbestimmten Leben, bis uns das Leben aus der Bahn wirft. Erst durch einen Sturz – eine Lebenskrise, Veränderung, Krankheit oder andere Vorkommnisse – fangen wir an, die fremden Spuren zu hinterfragen. Fangen wir an, uns unseren Ängsten auf diesen viel zu schnellen, steilen Routen zu stellen. Und irgendwann sind wir dann bereit, auf uns selbst zu hören. Unseren eigenen Weg zu finden. Die Ängste hinter uns zu lassen, weil wir die Kontrolle haben. Freiheit in unser Leben zu lassen und unsere persönliche, wundervolle, starke eigene Spur zu ziehen. Hat sie auch noch so viele Ecken und Kanten – das ist egal. Hauptsache, wir fühlen uns wohl auf diesem Weg. Mit unseren Wegbegleitern, die vielleicht manchmal anders abbiegen und uns dann wieder begegnen.

Vielleicht ist es für dich jetzt auch an der Zeit, deine eigene Spur zu ziehen. Keine Angst – du musst dafür keinen Wintersport betreiben. Fang nur mal an, dich zu fragen, ob dein Lebensweg auch wirklich deiner ist. Deine Familie, dein Beruf, deine Gedanken, dein Leben. Fühlt es sich stimmig an? Bist du frei in deinen Entscheidungen? Frei in deiner „Spur“? Oder fühlst du Druck, Perfektionismus, Enge, Festgefahrenheit? Seine eigene Spur zu finden ist Befreiung pur. Es macht vielleicht anfangs Angst. Aber es ist der schönste Weg, den wir gehen können. Es führt dich zu dir selbst. Zu deiner inneren Kraft. Lebensfreude. Selbstbestimmung, Achtsamkeit mit dir selbst und Freiheit. Vielleicht ist es an der Zeit für dich, es jetzt zu versuchen, neue Spuren zu finden und zu ziehen.

In diesem Sinne hab einen wundervollen Tag und genieß die Sonne – vielleicht sogar auf der Loipe? 😉
Alles Liebe, Andrea

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