Ein stilles Weihnachtsgefühl

Ach, nun haben wir es geschafft. Es ist Weihnachten. Wir sind gerannt – um Geschenke zu besorgen, Essen einzukaufen, Weihnachtsfeiern zu feiern, Weihnachtskarten zu schreiben, Kekse zu backen, Weihnachten zu wünschen, Arbeiten fertig zu machen, Rechnungen zu überweisen, das Haus zu dekorieren, alles im alten Jahr noch zu erledigen… In diesem Moment habe ich das Lied „Weihnachtstag“ von Reinhard Mey in meinen Ohren:

„Es ist Weihnachtstag, und es ist Viertel nach zwei
Ich kann aufatmen, der Weihnachtsstress ist endlich vorbei.
Jetzt gibt’s gar nichts mehr zu kaufen, alle Läden sind zu:
Klappe zu, Affe tot, jetzt ist endlich Ruh‘!
Ich hab‘ den Baum im Ständer, die Geschenke eingehüllt
Alle Karten abgeschickt, kurz – alle Pflichten sind erfüllt!“

Wir haben alle Pflichten vor Weihnachten erfüllt. Und freuen uns jetzt, dass wir zur Ruhe kommen. Immer wieder stelle ich fest, dass „die stillste Zeit“ im Jahr für die meisten von uns nicht still ist. Man versucht vielleicht krampfhaft die Stille zu finden, wenn man bewusst jeden Adventsonntag eine Kerze am Adventkranz entzündet. Doch diese Stille, die wir vielleicht suchen, vielleicht vermissen, vielleicht manchmal in zarten Zügen spüren, ist ein Gefühl, das wir uns nur selbst schenken können. Wenn wir uns selbst schon fast zwingen, uns zu verlangsamen. Uns zu setzen und den Geschmack des köstlich duftenden Rotweins und der frisch geknackten Erdnüsse und frisch gebackenen Kekserl zu schmecken. Vielleicht selbst ein Weihnachtslied zu singen – mag es noch so falsch klingen. Es geht um das Gefühl. Das Gefühl zu haben, es ist jetzt gut, so wie es ist. Ein inneres, friedliches Weihnachtsgefühl, voll Hoffnung und Liebe.

Der hektische Alltag scheint sich in der Adventzeit auf Weihnachten hin noch einmal zu vervielfachen. Bis zum Ende der Adventzeit verliere ich immer wieder mal das Gefühl für mich selbst und es macht große Mühe, es irgendwo wieder zu finden. Wir glauben, stark sein zu müssen. Alles muss perfekt sein. Die Kinder müssen das großartigste Weihnachtsfest haben, das sie je erleben werden. Die Familie muss sich freuen an vielen perfekt gebackenen Keksen, perfekt eingemachten und teuren Geschenken, einem perfekt aufgeputzten Baum, einer perfekten Tochter, einem perfekten Sohn. Und am Ende steht man da und fühlt sich leer. Man hat funktioniert. Perfekt. Bis zum Schluss. Und alles was bleibt ist Erschöpfung? Müssen wir so ein Weihnachten noch mögen? Müssen wir überall mitmachen? Bei jeder Weihnachtsparty? Bei jedem Weihnachtswichteln? Bei jeder Weihnachtstradition? Bei jedem Weihnachtstrend?

Das schönste Geschenk, das wir uns selbst machen können, ist ein einfaches: STOPP. Einfach mal ein unperfektes Weihnachten? Das durch viel Liebe, Planlosigkeit und kleinen Glücksmomenten zum perfekten Weihnachten wird. Das innere Weihnachtsgefühl in sich selbst entdecken – das ist Weihnachten. Was dieses Gefühl in dir auslöst, kannst nur du selbst herausfinden. Ist es eine Tasse Punsch? Ein Räucherpfännchen Weihrauch? Sich einkuscheln in der weichen Decke und den Ofen einheizen? Ein herrlich duftender Gänsebraten? Ein spontaner, für den anderen völlig unerwarteter Weihnachtsbesuch? Ein liebevoll gesungenes „Stille Nacht“ der Kinder? Die Katze beobachten? Kekse naschen?

Versuchen wir zu Weihnachten einfach Spaß zu haben. An unseren perfekten und unperfekten Zügen. Alle Erwartungen von anderen und an uns selbst, an andere und an ein perfektes Fest loszulassen. Uns selbst zu beobachten und uns das zu schenken, was wir wirklich – von Herzen – brauchen. Ein bisschen Ruhe? Achtsamkeit? Ein nettes Gespräch mit Nachbarn. Ein Lächeln. Durchatmen. Einfach mal alles sein lassen, wie es ist. Uns bewusst machen, es gibt Menschen, die finden uns toll, wie wir sind. Auch wenn wir irgendwann nicht mehr überall mitmachen und überall dabei sind. Kannst du dir das auch selbst schenken? Dich selbst annehmen, wie du bist? Liebe für sich selbst ist eines der größten Weihnachtsgeschenke, die man sich machen kann. Und das innere Kind spüren, das in freudiger Erwartung auf ein großes Fest ist. Kindliche Freude, schöne Erinnerungen, besondere Momente. Sie sind stärker als jeder in den letzten Wochen erlebte Moment von Weihnachtsstress und Druck und mehr wert als das teuerste Geschenk. Und sie lassen uns endlich das spüren, was Weihnachten besonders macht: unser persönliches, inneres, leuchtendes, liebevolles, kuscheliges, geduldiges, stilles Weihnachtsgefühl.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein schönes Weihnachtsfest – macht es euch gemütlich und schenkt euch das, was euch am meisten Freude bereitet!

Frohe Weihnachten und alles Liebe!Bildergebnis für emoji weihnachten
Andrea

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